Villafranka - Parma / Giazza - Wandern so lange der Urlaub reicht

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Rom - Edling

Villafranca - Pontremoli    „Mitteilungsbedürfnis“    

Gestern sind wir trocken durchgekommen, das ist heute nicht der Fall. Obwohl es bald aufhört, lassen wir unsere Regenklamotten an. Bäume, Sträucher und das Gras sind nass. Heute laufen wir die angegebenen Varianten, egal wie die Wege sind, haben wir beschlossen. In der Natur ist es einfach schöner und angenehmer, als auf den für Autos gemachten Straßen. Unglaublich, in welche Wildnis die Pfade führen, stellen wir später fest, bereuen aber mit keinem Schritt unsere Entscheidung. Dornenranken greifen nach unserer Kopfbedeckung, der Isomatte die im Rucksack steckt, riesige Pfützen geben Rätsel auf wie sie zu umgehen sind, unsere Hände müssen helfend eingreifen um durch das Dickicht zu kommen. Den ersten Bach, durch die Regenfälle führen alle mehr Wasser als sonst, können wir etwas weitläufig auf Steinen überqueren, beim zweiten ziehen wir Schuhe und Socken aus. Der muss durchwatet werden. Puh, kalt, aber es geht ganz gut, drüben angekommen laufen wir Barfuß weiter, zu viel Wasser kommt uns auf dem Weg entgegen. Ca. 15 Minuten laufen wir so dahin, es gefällt uns. Das Sträßchen wird wieder trockener, Füße sauber machen, Socken und Schuhe wieder anziehen. Wir sind überrascht, wie ange- nehm weich uns unsere Füße jetzt vorkommen. Ein herrliches Gefühl. Bei der Kapelle von Filattiere – ein wunderbarer Platz – genießen wir die Sonne und unsere Brotzeit. Ein Rudel älterer Franzosen geht vorbei, die meisten nur mit Turnschuhen bewaffnet. Ich rechne damit, das sie bald wieder zurückkehren da zu nass, aber sie kommen nicht. Respekt! Bei der zweiten Variante übersehen wir eine Markierung – oder es gibt keine -, zwängen uns durch ein Bambuswäldchen, überqueren ein Bächlein und kommen querfeldein wieder zur Hauptstraße zurück. Links beobachten wir schon längere Zeit pechschwarze Wolken, die immer näher kommen. Im Schlepptau dichtes Grau, was Regen bedeutet. Wir geben Gas, die Stadt erreichen wir gleichzeitig mit dem Regen. Der Kiosk hat leider keine Stadtkarte, die Info ist noch geschlossen, in einem Buchladen bekomme ich Hilfe. Die Verkäuferin kopiert mir eine Seite aus einem Buch. Danke, immerhin etwas. Wir finden den Convento dei Cappuccini in schöner Lage, der Tipp des Franzosen vom Vortag. Ein Mann erscheint, der redet und redet, ich meine der Hausmeister steht vor uns. Dann erscheint ein Padre, auch der redet und redet. So nebenbei gehen wir in ein Büro wo unser Pilgerausweis vorgezeigt wird. Personalausweis ist nicht wichtig. Wir werfen etwas Geld in die Kasse, somit sind wir offiziel Gäste des Hauses. Dann reden beide, "Hausmeister" und Padre, wir verstehen nur einen Bruchteil davon, denen scheint das egal zu sein. Schließlich werden wir zu den Zimmern geführt. Jeder ein Einzelzimmer, sehr karg, ein wackliger Schrank, ein wackliger Nachttisch und ein Eisenbett mit etwas muffiger Decke. Der "Hausmeister" bringt noch mehr Decken, die sich aber geruchsmäßig nicht unterscheiden. Duschen und WC liegen außerhalb der Zimmer, sind aber sauber. Während ich Dusche, erklärt der "Hausmeister" Christa den Umgang mit den Schlüsseln, erst als sie deutet, und fragt, wo und wie das alles ist, versteht er und macht sich mit ihr auf, alles an Ort und Stelle zu erklären.  Später suchen wir das empfohlene Lokal und glauben es auch gefunden zu haben. Das Essen, wirklich prima.

Pontremoli  -  Berceto   „Strahlende Jugend“  
  
Gemütlich ist was anderes, obwohl die Sonne scheint, ist es klamm und kalt im Zimmer. Das gestern noch eingekaufte wird zum Frühstück verzehrt und Wasser dazu getrunken. Hier im Konvent gibt es kein Frühstück. Bald sind wir auf der Straße und sind gespannt auf den heutigen Tag. Der Cisa Pass wartet, aber leider nicht auf der Originalroute der Via Francisgena, diese ist gesperrt. Der Regen hat einige Wege unpassierbar gemacht. In trotzdem zu gehen wäre frevelhaft. So müssen wir wohl oder übel die Fahrstraße benützen, der wir dann auch folgen. Am Ende der Stadt noch ein Cappuccino, wenigstens ein bisschen Kaffeegeschmack  (war sehr dünn). Die erste Abzweigung gehen wir links, es folgt Serpentine auf Serpentine. Wieder einmal gehen wir und gehen ohne groß zu denken, oder groß zu erzählen. Es kommt schon vor, das wir Stundenlang nichts sagen und dann plötzlich beginnen wir beide das gleiche zu erzählen. Die Straße hat uns schon weit nach oben gebracht, wir blicken auf die immer bergiger werdende Landschaft. Pause dürften wir mal machen, denken wir beide und prompt kommt ein schönes Plätzchen. Ich studiere die Karte, wo wir wohl schon sind und plötzlich wird mir siedend heiß! Oh nein, wir sind ja ganz wo anders als vermutet. Wir gehen auf der SS 62. Unten bei der Abzweigung wäre es nach rechts gegangen. Ich schaue wo die beiden Straßen hinführen und tatsächlich, das Ziel ist das gleiche, welch ein Glück. Vielleicht 2 km weiter, was macht das schon und, fast kein Verkehr bisher. Landschaftlich sicher auch kein großer Unterschied. Im Dorf Montelungo laden Bänke zu einer zweiten Rast ein, hier kläre ich Christa über unseren begangenen Weg auf. Etwas weiter tauchen plötzlich die Markierungen wieder auf, hier kommt also der Originalweg hoch, wenig später stehen wir auf einer Anhöhe und bewundern die Landschaft des Appenin, ein 1.500 km langer Gebirgszug und die Hauptwasserscheide Italiens. Stirnband, Handschuhe und warme Jacken haben wir übergezogen, es pfeift ein frischer Wind hier oben, noch ein paar Kilometer weiter und der Pass ist erreicht. Rauf auf die Anhöhe zur Kapelle "Nostra Signora della Guardia", deren Muttergottes seit jeher über die  Reisenden wacht und  eigentümlich gebaut ist. In der Mitte ein Altar mit schwarzer Madonna, rund um den Altar kann man gehen und knien oder sitzen, Blicke zur Mitte sind immer freigegeben.  Wieder raus, brrr....saukalt, wir geben Gas um warm zu werden. Weiter unten ist der Wind nicht mehr so stark zu spüren. 2 Radler kommen den Berg hoch und halten. Auch selten, vielleicht tut ihnen eine Pause gut. Es sind Trentiner, die von Parma nach Rom fahren. Auf meine Frage nach den Kilometern bis nach Parma, deutet er auf seinen Tachometer. 64 steht dort, das könnten wir in 2 Tagen schaffen, vorausgesetzt wir kommen weiterhin so gut voran. Endlich wieder ein Pfad, tut das gut. Füße und Seele freuen sich und lassen uns wieder Frohgemut marschieren. Tim kommt mir entgegen, ein etwa 24 jähriger kerniger Belgier, mit dunklem Rauschebart, gelocktem Haar und einem Strahlen im Gesicht. Schwerbeladen, er hat Zelt und alles was dazugehört dabei, sogar ein Holzscheit trägt er mit. Ein herzlicher Mensch, seine zwei Freunde sollten bald folgen, denen ist die Freude am Wandern genauso ins Gesicht geschrieben. Berceto ist erreicht, in einem Laden fragen wir nach einem Albergo. "Entweder hier links weitergehen und den Berg hoch, oder dort drüben weitergehen, in der Nähe der Carabinieri steht eine Trattoria", klärt sie uns auf. Wir gehen den Berg hoch und hoch, vergleichen die Hausnummern, die wie so oft total durcheinander angeordnet sind. Ende der Fahnenstange, der Ort ist aus. Umkehren und genauer schauen, erfolglos. Das Trattoria dagegen finden wir schnell. Herzlicher Empfang, sehr gute Küche.

Berceto - Fornovo di Taro   „Es muss sein!“     

Dieses Stück sind wir gestern bei der Quartiersuche schon gelaufen. Beim Laden vorbei – aber nicht ohne noch vorher einzukaufen – die schöne alte Gasse hoch, die dann ein Fußweg wird. Noch zum Dom in schmucker Anlage, die auch Pilger aus England bewundern. Sie machen den Weg von Canterbury aus in Etappen, heute ist ihr zweiter Tag dieser Etappe. Dann geht´s zu Burgruinen, um später im Wald zu verschwinden. Rauf und runter, wobei das erste überwiegt. Immer wieder über- steigen wir Zauntritte, bis wir schließlich bei einem Sendemasten stehen, dem höchsten Punkt des heutigen Weges. Wieder in ein kleines Wäldchen, Motorengeräusch ist plötzlich zu hören, wir achten aber nicht sonderlich darauf, bis uns plötzlich 8 – 10 Motocrossfahrer entgegen kommen. Sonnig ist der Tag, die Spur aber von den letzten Regenfällen doch noch etwas mitgenommen. Wieder auf der Straße fallen uns Markierungssteine auf, die wohl alle 100 Meter neben der Straße stehen. Im Stein ist eine Nische, in der ein Pilgerzeichen ist, welcher Aufwand! Zwei deutsche Pilger kommen gerade von einem Abzweig und raten uns den nicht zu gehen, er wäre es nicht wert. Weiter berichten sie, sie kämen von Lausanne und hätten einige Um- wege gehen müssen, wegen des schlechten Wetters, bzw. was es aus den Wegen daraus gemacht hat. Weiter auf und ab, Wald und Wiesen wie schon gewohnt. Es wird lichter, das Gestrüpp weniger, rechter Hand eine Wiese mit Obstbäumen, nicht weit davon ein Haus. Ein Mann arbeitet im Garten, wir grüßen – bon giorno, er grüßt zurück und fragt etwas auf Italienisch. Auf unser Schulterzucker kommt auf englisch du you want a coffee? wir schauen uns nicht abgeneigt an, er sagt yes you want. Und schon sind wir dabei. An der Hauswand steht in großer deutscher Schrift; "Es muss sein!" Wir sind verblüfft, ein deutscher Spruch auf einem italienischem Haus, bewohnt von einem Italiener. "Sein Vater wäre in Deutschland gewesen, hat dort gearbeitet und die Tugenden hätte er an seinen Sohn weitergegeben, dies habe in geprägt" erklärt uns Claudio. Später sitzen wir in der Wohnküche, international, Mutter russischer Abstammung, er Italiener, seine Frau Francesca weiß ich nicht mehr, Besuch aus Frankreich, Kusine spanischer Abstammung und wir aus Deutschland. Ein Kauderwelsch an Sprachen. Überwiegend Deutsche, auch noch Franzosen würden seiner Einladung am ehesten folgen, meint er, Italiener so gut wie nie. Ignoranten, bezeichnet er seine Landsleute. Eine Stunde Aufenthalt, der es uns wert ist. Das nächste mal wenn wir kommen gibt es Spagetti verspricht uns Claudio. Herzlicher Abschied, die Richtung finden wir nur schwer wieder, dann aber sind wir wieder mental unterwegs. Diesen Bergrücken noch drüber, zum Castello di Casola, das dort auf uns herunterschaut. Dann geht´s runter, die Aufstiege liegen jetzt hinter uns, nach Terenzo, Bardone und Sivizzano wo es eine Herberge gibt. Die beiden deutschen Pilger, die wir heute schon getroffen haben, meinten aber, heute sei schon ausgebucht, eine ganze Gruppe komme. Und sie behielten Recht. Die Herbergsleute bedauerten sehr, keine Betten mehr anbieten zu können, wir bekamen noch zu trinken und einen Stempel in den Pass, dann mussten wir weiter. Weiter abwärts, Leute bleiben stehen, schauen uns nach. Ein Bauer steigt vom Traktor und meint; "no, no, no," und deutet in die Richtung die wir gehen, und si, si, si und zeigt Richtung Rom. Sehr Aufmerksam, das freut uns, wir danken und klären auf, "umgekehrt" zu gehen. Da muss er lachen und meint; bergab ist es auch leichter. Eine ältere Dame meint umgekehrt den Weg gehen nur ganz wenige. Diese Ansprachen von wildfremden Menschen lassen ein richtiges Pilgerfeeling in uns hochkommen, ähnlich wie auf dem Weg nach Santiago. Diese 7 Kilometer tun schon etwas weh, sie erscheinen länger als sonst. Kurz vor der Stadt kommt uns ein Auto entgegen, drinnen sitzt ein Mann, der von der Herbergsmutter beauftragt wurde, nach uns zu schauen. Schaffen wir es, geht es uns noch gut? Was für ein mitdenken und fühlen. Danke! Unten an der Kreuzung würde ich in die verkehrte Richtung rennen, Gott sei Dank lässt sich Christa nicht beirren.

Fornovo di Tare -  Parma    „Ungültige Papiere“                                

Spannung kommt auf, wie wird es werden, unser erster Tag ohne Pilgerwegführung, einfach immer nur nach Karte. Wir verabschieden uns von der Via Francisgena, die nach Lausanne weiterführt, irgendwann, später einmal werden wir dorthin weiterlaufen. Sehr ernst und streng bediente der Wirt, etwa 45 Jahre alt, gestern seine Gäste, kein lachen kam über seine Lippen, schade. Heute beim Abschied sehen wir, wie gut im Lachen steht, viel entspannter sein Gesichtsausdruck, viel sym- pathischer insgesamt. Eine ewig lange Stadt, aber mit Fußgängerweg, das ist doch auch was wert, später werden wir in vermissen. Das hier das Gehen bei 34° nicht so schön ist brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Einiger Verkehr, Abgase, Anonymität. Doch dann ist die Stadt hinter uns, wir freuen uns auf einem Radweg kilometerweit weiter wandern zu können. Bald zweigt er ab, ob er auch nach Parma führt und wie weit das dann wäre, können wir nicht in Erfahrung bringen. Die Unterführung auf der SS 62 gehen wir nicht, obwohl kürzer. Rein in die Ortschaft Collecchio und das gerade zur rechten Zeit. Eine Kirche, ein schöner Platz, ein Laden, optimal. Plötzlich Gehupe, an die 20 kleine Fiat´s fahren mit großem Lärm vorbei, lauter Oldtimer. Diese Pause auf dem Platz hat gut getan, wir sind wieder fit für das Nervenaufreibende gehen auf der Hauptstraße. Vom Stadtanfang bis zur Brücke über die Parma ist ein gutes Stück zu gehen, wir meinen nicht mehr anzukommen. Dann aber hat uns das pulsierende Leben gefangen. Ab in die Altstadt, schöne alte Gebäude, die Info hat noch auf. Hotel? Nein die sind uns zu teuer 150,00 – 250,00 Euro zahlen wir nicht. Eine Jugendherberge ca. 1,5 km entfernt gefällt uns preislich besser, ist auch gut zu finden, da immer nur die Straße lang, ohne Abzweig. Auf dem Weg dorthin fallen wir mit unseren Rucksäcken und Trekkingstöcken schon etwas auf, wo die wohl hinwollen?  Aber, es gibt auch Leute die uns ansprechen. In der Herberge wurden wir schon angemeldet, wie üblich geben wir die Pässe ab und warten. Die junge Frau kommt und meint, "die Pässe sind schon abgelaufen, das müsste ich der Sicherheit halber der Polizei melden". Wir schauen ganz verdutzt und stellen fest, sie hat recht. "Es kann sein, das die Polizei auch noch vorbei kommt" meint sie weiter. Na sollen sie doch, denken wir, was kann schon passieren und sagen okay. Den vierzehnten Tag sind wir nun in Italien, täglich haben wir unsere Pässe abgegeben, keiner hat bisher etwas bemerkt. Die Polizei kam nicht. Super Pizzeria, super Eisstand, Appetit haben wir trotz allem, einen guten.                                Parma!!!!

Parma -  Briscello     „Don Camillo und Peppone“   

Cappuccino im Plastikbecher, Zwieback und ein Croissant, nicht gerade üppig aber es reicht. Draußen regnet es, das hätten wir nicht erwartet. Gestern habe ich mir noch eine regionale Karte gekauft, sie macht sich bezahlt. Auf "Schleichwegen" verlassen wir die Stadt, am unschönen Industriegebiet vorbei und doch, Christa sagt „schau mal, hier werden diese Nudeln hergestellt", als wir bei der Fabrik Barilla vorbeigehen. Sackgasse steht auf dem Schild, ob wir zu Fuß durchkommen? Nichts wird riskiert, wir biegen rechts ab. Unsicherheit macht sich breit, wo sind wir jetzt, wo müssen wir hin. Ein Mann beim Autowaschen, durch den Hund der bei meinem Näher kommen anschlägt, wird er auf mich aufmerksam. "Doch, doch meint er, wenn ihr nach Brescello wollt, müsst ihr durch die Unterführung". Gefällt uns zwar nicht recht, aber was hilft`s. Sogar ein Standstreifen ist vorhanden, also wirklich kein Problem. Kreuz und quer finden wir durch die Gegend, die brettleben ist, Leute schauen uns an wie Außerirdische, mit Rucksack laufen hier wohl nicht viele herum. Keine Bank weit und breit zu sehen, so machen wir es uns auf einer kleinen Mauer "bequem", welche bei einer Hofeinfahrt auf uns wartet. Ab und zu kommt ein unangenehmer "Duft" vorbei, scheinbar ein Mastbetrieb. Zulange wollen wir sowieso nicht bleiben, in der Ferne sind schwarze Wolken zu sehen. Doenza ist erreicht, noch 5 km bis nach Brescello, Don Camillos und Beppones Stadt. Das Schwarze verdichtet sich und scheint direkt auf uns zuzukommen, wir werden immer schneller und schneller, trotz der Blase am Fuß, die Christa sehr schmerzt. Schon lange interessiert uns die Gegend nicht mehr. Die gemähten Wiesen und Felder, die Pflanzen welche unter Folien heranwachsen. Interessanter ist das Spiel der Farben am Himmel, aschfahl, rot getränkt und dunkelblau, dazu wird der Wind immer stärker. Noch regnet es nicht, mein Gebet scheint eine Lücke aufzutun, durch die wir wandeln können. Tatsächlich erreichen wir Brescello unbeschadet, es scheint sich alles zu verziehen. Am Ortseingang steht das Hotel, Christa will schon drauflos stürmen, da bremse ich sie aus. Insgeheim will ich weitergehen, mir ist es noch zu früh um zu bleiben. Zudem bräuchten wir die 5 Kilometer dann morgen nicht zu laufen, ich habe da so eine Idee. Christa ist geschockt, sie hatte sich felsenfest darauf eingestellt, hier zu bleiben. Es knistert zwischen uns, das Gewitter hat sich doch nicht ganz verzogen. Ein Kompromiss; wir gehen durch die kleine Stadt – mit Rucksack, suchen ein Cafe, schauen was das Wetter macht. Nachher entscheiden wir. Sehr, sehr angespannt machen wir uns auf den Weg, der Stadtplatz ist bald erreicht, die bronzenen Don Camillo und Peppone grüßen uns, wir schauen in die Kirche, in der er gewirkt hat. Aber von einem entspanntes schauen oder genießen sind wir weit entfernt. Kein ansprechendes Cafe in der Nähe, ich lasse mich überzeugen, doch hier zubleiben. Frisches Obst ist heute unser Abendessen, den Platz, das Städtchen haben wir später nochmal in aller Ruhe und wesentlich entspannter besichtigt. Geregnet hat es nicht mehr.


Briscello - Mantova           „Naturgewalten“     


Wo ist nun besser zu laufen, auf dem Damm in der Wiese, oder daneben auf der Teerstraße. Die Wiese war zwar schöner und weicher, aber das Gras so stoppelig und etwas zu lang, es strengte mehr an. Bald ist sowieso die Brücke über den Po erreicht. Meterhohes Überschwemmungsgebiet konnten wir gestern schon immer wieder sehen, der Wasserspiegel ist zwar zurückgegangen, aber ein hoher gelbbrauner Streifen an Bäumen und Büschen erinnert deutlich an die Wassermassen die noch vor knapp drei Wochen für große Unruhe und auch Verwüstung sorgten. Sehr deutlich ist das hier von der Pobrücke aus zu sehen. Ein bestimmter Geruch verstärkt den optischen Eindruck. Am Ufer, direkt unter mir sehe ich eine Kletteranlage mit Seilbrücken und allem was einen Abenteuerplatz ausmacht. Bis obenhin klebt Schlamm und angeschwemmtes Zeugs an den Stämmen und Pfählen. Auch wenn Dämme gebaut werden, gegen solche Naturgewalten wirkt der Mensch klein und hilflos. Viadana begehen wir durch die eine "Seitentür", wir müssen ja nicht durch die ganze Stadt marschieren. Ein Laden mit allem möglichen, ich frage ob sie auch eine Karte von der hiesigen Gegend haben. "Nein, Karten verkaufen wir nicht", sagt der bärtige junge Mann, "wo wollt ihr denn hin", fragt er darauf. Wir berichten von unserer Reise und unserem Ziel. Da kramt er am Ladentische herum und überreicht uns die gewünschte Karte, er schenkt sie uns. Danke schön. Ein Cappuccino bevor wir weitergehen? Ja, beschließen wir, ein Cafe ist in der Nähe. Kaum sitzen wir, weht ein unangenehmer Duft um unsere Nasen. Es wird gerade die Kläranlage geräumt. Der Kaffee ist schnell getrunken! Auf kleinen kaum befahrenen Teerstraßen bewegen wir uns vorwärts, Salina, Bugno, Alberone, S. Matteo delle Ciaviche, liegen am Weg. Bei letzterem wäre auch eine Übernachtungsmöglichkeit, die uns aber viel zu früh kommt. So gehen wir bei 36 ° weiter nach Cesole, wo wir uns auf eine Cola freuen. Das belebt und gibt uns wieder neuen Schwung. Wir ahnen schon, das es erst in Montova eine Übernachtung geben wird. Ziemlich gerade die Straßen, ohne Steigungen, man kommt gut vorwärts, aber die einseitige Belastung schmerzt mehr, als ein auf und nieder. Da hat der Körper immer wieder mal Abwechslung. Trotzdem habe ich mir das Stück in der Poebene noch schlimmer, noch eintöniger vorgestellt. Der Jahreszeit entsprechende Gewächse stehen am Wegesrand, einige der riesigen Höfe verfallen, andere sind noch in Betrieb und werden vergrößert. Reiher sitzen an Bachufern, Rinder sieht man selten. S. Sylvestre ist erreicht, die Hoffnung auf ein Quartier erfüllt sich nicht. Noch vier Kilometer bis Mantovo, wir sind schlapp, kaputt, schleppen uns nur noch vorwärts. Wo geht´s rein in die Stadt, da vorne links? Wir gehen und gehen, ich habe das Gefühl wir umkreisen die Stadt. Im Designerladen nach Hotels gefragt, die Richtung stimmt. Bald darauf ein Schild mit Hotels, das uns Hoffnung macht. Noch weiter und weiter. Ein Park, Christa muss sich setzen, braucht etwas Pause. Ich bin in Sorge, mache mich allein auf die Suche. Bald stehe ich vor einem Hotel, läute, eine Stimme ertönt, italienisch, kein deutsch  aber englisch, ja es ist was frei. Was dann gesagt wird verstehen ich nicht. Ich warte, niemand kommt. Ich schaue links, rechts, nichts bewegt sich. Noch mal schellen? Nein, mache ich nicht. Bei der Weitersuche renne ich quer durch die Stadt und finde, nichts, nur Schilder die in alle Richtungen weisen. Zurück zu Christa, hoffentlich habe ich mich nicht verlaufen. Nein, dahinten ist der Park. Ich erzähle meine Erlebnisse, wir gehen wieder zu dem Hotel, wieder läuten, gleiche Stimme, noch was frei. Der entscheidende Unterschied, Christa versteht auf Nachfragen, was ich nicht verstanden habe. Der Haupteingang liegt auf der gegenüberliegenden Seite des Blocks. Einchecken, duschen, um 21:15 sitzen wir gegenüber in einer Pizzeria. Puh, das war ein Tag.

Mantova  - Villa Franca di Verona  „gemütlicher Kreisel“

9:30 ist es schon, bis wir los kommen. Aber eigentlich normal nach dem gestrigen Tag und dem besten Frühstück auf dem bisherigen Weg. Wer da nicht zugreift ist selber Schuld. Wir verlassen die Stadt über ein riesiges Wehr, sehen einer Entenfamilie zu, die gerade ihre 8 kleinen zum Schwimmen anlernt und später einem Fischer, der stehend im Kahn seine Angel auswirft und dabei beinahe das Übergewicht verliert. Im Stadtgebiet und weiter bis Bancole ist es ganz gut zu gehen, bis hierher führen fast immer Fußgängerwege oder Radwege. SS 62, diese Straße ist uns schon sehr bekannt. Wir wagen es um schneller voranzukommen und noch ist ja ein Seitenstreifen vorhanden. Aber dann, die Straße wird enger, der Seitenstreifen ist weg, der Verkehr nimmt zu. Auch viele Lkw fahren darauf, es wird ein Husarenritt. Ist tatsächlich mal die Straße von vorne her frei – wir gehen immer links, ist die Gefahr noch nicht vorbei. Dann nämlich wird von hinten überholt. Sind wir froh bei Castiglione Mantovano wieder in eine Seitenstraße einbiegen zu können. In den Örtchen in die wir kommen ist nichts los, keine Bank zum ausruhen, kein Cafe. Auch sonst kaum eine Möglichkeit sich zu setzen, oder aber kein Schatten. Dann queren wir einen Kreisel in dessen Mitte ein prächtiger Laubbaum steht. Kurz überlegt, dann getan. Wir machen es uns mitten im Kreisel gemütlich. Einige der wenigen Autofahrer schauen schon etwas verblüfft, ein paar winken, einer hupt. Christa ist dennoch froh wieder weitergehen zu können. Je näher wir Verona kommen, desto sauberer werden die Häuser, desto mehr bewirtschaftete Höfe gibt es, desto mehr angebaute landwirtschaftliche Flächen sind zu sehen. Weizenfelder, Rapsfelder, alles was es bei uns auch gibt. Sogar den Kuckuck verstehen wir, er ist bestimmt ein Deutscher und macht hier nur Urlaub, lachen wir. Das Auge freut sich an der farblichen Vielfalt das sich im bietet. Grüne und gelbbraune Felder, rote Mohnblumen, blaue Kornblumen und dazwischen immer wieder exotische Erscheinungen. Das lenkt ab von der Eintönigkeit des gehen´s. In Malavicina steht eine imposante Kirche, da schaue ich rein. Es dauert nicht lange, da kommt eine Frau und fragt nach unserem Vorhaben. Da hatte ich das Gefühl, es war weniger Neugier, als wir könnten irgendwas im Schilde führen. Pilger sind sie hier nicht gewohnt. Villafranca di Verona ist erreicht, von der mächtigen Burg die sofort ins Auge sticht, sind wir beeindruckt. Die gesamte breite Straße bis hinab zum Bahnhof finden wir keine Übernachtung. Querstraße, bei einem Cafe nach "Domire" gefragt, Gäste und Kellner weisen in die Richtung, St. Peter haben wir gehört. Ein kleiner Ort? Nein, es ist ein Hotel stellt sich dann heraus. Aber leider schon voll. Bei der weiteren Suche kommen wir auf die Straße aus der wir gekommen sind, eine Ehrenrunde haben wir also schon gedreht. Dann aber stehen wir vor einem B&B. Die junge Frau mit einem 2 Wochen altem Baby nimmt uns gerne auf. In diesem Haus ist sofort eine große Herzlichkeit zu spüren, wir fühlen uns wohl.

Villa Franca di Verona -   Verona  „Im Sog der Stadt“  

 
Wieder ein warmer Tag, mit einer schon bekannten Geschichte. Wir gehen durchwegs auf Teerstraßen Richtung Verona. Um die SS 62 zu vermeiden, habe ich kleine Sträßchen zum Ort Povegliano und weiter nach Alpe ausgesucht, welche wir auch bis auf einen glitzekleinen Umweg ganz gut finden. Die Hügel im Norden werden immer deutlicher, eine Vorfreude ist zu spüren, die flache Gegend liegt endgültig hinter uns. Industriegebiet, queren von Riesenstraßen, Geleisen und Autobahnen, zeigen an dass Verona immer näher kommt. Das Gebrumme, das Gewusle, die Hektik, die laute Welt rückt näher und näher. Verona, dort auf dem Schild steht es,  unscheinbar, auf dieser eher hässlichen Seite mit Industrieabfall und Lärm. Die Anonymität nimmt zu, viele Menschen, wenig Ansprache. Trotzdem freuen wir uns, es geschafft zu haben. Ursprüngliche Zweifel daran von meiner Seite sind vergessen. Nicht das "nicht schaffen" sondern wann, hatten mich beschäftigt und sind letztendlich unwichtig. Noch einige Kilometer werden wir durch die Stadt laufen, erst noch kleinere Häuser mit etwas grün rund herum, später immer höhere Häuser und nur noch Straßen. Einmal noch Pause bei einem kleinen Spielplatz mit hohen Bäumen. Wir sind gut drauf und spielen mit unseren Fotoapparaten. Als ich so die Bilder dann ansehe sage ich, "ich glaube es ist gut, jetzt angekommen zu sein. Wenn ich uns so ansehe, schauen wir ganz schön ausgemergelt aus". Ohne uns groß orientieren zu müssen, finden wir den Bahnhof. Um 17:00 Uhr sitzen wir im Zug und sind gegen Mitternacht zu Hause.

Anreise

Gemütlich sitzen wir im Zug auf unseren reservierten Plätzen. Schon ist die Arbeit in meinem Hirn etwas nach hinten verrutscht, ich freue mich auf den Urlaub. Ab Rosenheim durchfahren, diesen Genuss gibt es nun nicht mehr, zukünftig muss in Kufstein umgestiegen werden. Neue Regelung der Bahn. Seit geraumer Zeit schaue ich immer wieder auf eine links vor mir sitzende Italienerin, bin fasziniert von ihrem Gesichtsausdruck, total entspannt, immer lächelnd und hübsch obendrein. Auch im Schlaf hat sie eine glückliche zufriedene Ausstrahlung. Wie sieht es mit mir aus? Bin ich entspannt? Ja, schon auch, eine gewisse Vorfreude erfüllt mich. Ob man mir das ansieht? Verona ist erreicht, Dank GPS – ich hab´s wirklich ausprobiert – finden wir unser Hotel, nicht zu weit vom Bahnhof entfernt. Ab in die Altstadt. Zuerst hat es uns eine alte mächtige Festung angetan, von der aus wir durch malerische Gassen Richtung Zentrum marschieren. Ich empfinde Verona überschaubar, das macht es für mich sympathisch. Prunkvolle Häuser, Kirchen, die Arena, Ausgrabungen, die Geschichte von Romeo und Julia, alles sehenswert und zu Fuß gut zu erreichen. Der Rückweg, dem Ufer des Arno entlang bei Dunkelheit ist spannend, hier ist gute Orientierung gefragt. Wir schaffen es.

Verona   -  Ponte di Veja   „Imposante Naturwunder“
                      
Es geht los, erst mal raus aus Verona. Über die Brücke des Arno, dann irgendwo schräg hinein in eine Gasse. Endlich finden wir die wenig befahrene Straße nach Avesa. Einmal kommen Zweifel ob wir richtig sind, doch alles passt. Also weiter in diese Richtung, später frage ich einen Weinbauern nach dem Abzweig zur Barogaschlucht, befürchte diesen übersehen zu haben, er kann mich beruhigen, "kommt erst noch, in ca. 500 Meter". Bald darauf stehen wir bei dem groß beschilderten Abzweig. Nur wenn es trocken ist sollte man die Variante durch die Schlucht gehen, steht in unserem Büchlein. Es ist heiß und trocken, also lassen wir die Teerstraße hinter uns und tauchen immer tiefer in den grünen Schlund ein. Urwüchsig ist alles um uns herum, der Pfad verläuft immer wieder mal in einem Bachbett und ist kaum zu finden. Die Richtung ist aber nicht zu verfehlen. Die feuchte Schwüle hier unten ist ein Paradies für allerlei fliegende Insekten, die sich auf einen stürzen, bleibt man stehen. So haben unsere Hände gut zu tun, die Plagegeister zu verscheuchen. Wände, links wie rechts, die wie gemauert erscheinen, führen steil nach oben. Das Sonnenlicht kommt nur spärlich zu uns durch. Nach ca. einer Stunde ist ein Kessel erreicht, aus welchem nur steile Eisenleitern führen. Welch eine Pracht rund herum, wir sind begeistert. Stufe für Stufe geht es rauf. Oben dann führt ein Pfad über Stiegen durch Wald, knapp neben einem Abgrund verlaufend weiter, bis wir schließlich Monteccino erreichen. Es ist ca. 1 Uhr, was machen? Hier bleiben oder das beschriebene Hotel Costagrande suchen, das ca. 2 km entfernt liegt, aber leider nicht auf unserer Route. Erst mal Pause, wir haben Hunger. In dieser halben Stunde die wir neben einer alten Gedenkstätte sitzen, offensichtlich am Dorfplatz, sehen wir keinen Menschen, nur ein paar streunende Katzen wuseln umher. Wir entscheiden uns weiter zugehen. Der Weg steigt ständig an und macht später den Blick sogar frei bis zum Gardasee. Vor ein paar Häusern bleiben wir stehen und bewundern deren Dächer. Die sind doch tatsächlich mit großen Steinplatten gedeckt. Was in der Region hergestellt wird, wird auch regional verwendet. Beim Weiterweg kommen wir oft an Steinbrüchen vorbei, die diese Platten wohl auch herstellen. An der Einfahrt eines Ferienhauses inspirieren uns bunte Figuren und Goethes berühmtes Gedicht "Mignon" – Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Goldorangen glühn, ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, die Mirte still und hoch der Lorbeer steht? Kennst du es wohl? Noch ein paar Kilometer bis Ponte di Veja, ob die dortige Trattoria noch ein Zimmer für uns hat? Sie hat, was sind wir froh nicht mehr weiterlaufen zu müssen. Hier an dieser Naturbrücke, die natürlich groß vermarktet wird, erschrecken uns unzählige Autos, es geht zu wie im Taubenschlag. 17 Meter hoch und 50 Meter breit ist diese natürliche und sehr beeindruckende Felsbrücke, logisch dass sie viele Besucher anlockt. Das Trattoria lockt mit leckeren Speisen, eine gute Kombination. Eine Grillplatte für zwei Personen bestellen wir, haben ja einen Bärenhunger und der Ober bringt eine Fleischplatte die nicht einmal auf unserem Tisch Platz hat. Ein zweiter Tisch muss

her. Irgendwie sind wir ratlos, haben wir das alles bestellt, oder ist es ein italienisches Missverständnis? Egal, wir hauen richtig rein und packen einige Stücke zur morgigen Pause ein. Der Ober ist verblüfft, sehr sehr gut gegessen meint er und bringt uns zur Belohnung ein Poster, eine Karte und ein Büchlein von der Gegend. Das alles sollen wir mitschleppen, denken wir uns, bedanken uns aber artig.

Ponte di Veja  -  Rif. Croce  „Menschen, Mangelware“
                                 

Der erste Wandertag war mit 26 km schon knackig, mal sehen was uns heute erwartet. Den Weiterweg habe ich gestern schon erkundet, er führt unter der Naturbrücke hindurch, durch dicht bewachsenen Wald hinab. Wasser stürzt weit von der Ponte herab und läuft über weitere Kaskaden nach unten. Der Weg schlängelt sich in vielen Serpentinen abwärts durch urwaldähnliches Gebüsch. Leider versperren hohe Bäume die Sicht zurück auf das gewaltige Naturereignis. Die Passstraße ist erreicht, welche wir nach einigen hundert Metern wieder verlassen, um im Wald ca. 600 Höhenmeter nach Erbezzo aufzusteigen. Kirchenglocken läuten die Mittagspause ein, ob die Geschäfte jetzt schließen? Nein, wir haben Glück, ein Laden hat bis 13:00 Uhr offen. Wir decken uns mit Brot und Obst ein und finden schließlich bei der Kirche ein gemütliches Plätzchen, sogar Stühle stehen hier. Heute kamen uns die ersten Wanderer entgegen die auf dem E 5 von Bozen nach Verona wandern,  es tut gut mit Leuten zu ratschen, wenn die Zeit auch kurz ist. Nach Erbezzo geht der Weg wieder steil hinab in ein Tal, um später wieder hoch zu führen. Wieder sind wir in üppiger Natur eingebettet. 6 Italiener/innen kommen schnatternd entgegen, die haben wir doch schon mal gesehen. Sie kehren von einem Rundweg zurück. Noch durch ein Dörfchen, lichter Wald, dann sind wir da. Rifugio Croce leuchtet es vom Schild herüber. Ein Zimmer für uns? Er mustert uns, meint mit eher ablehnendem

Blick wir sollen warten, er müsse erst seine Frau fragen. Sie sagt schließlich, ja. Cappuccino, duschen, waschen, Eis essen, etwas rumschauen, dann ist es Zeit zum Abendessen, mm lecker! Satt und glücklich fallen wir ins Bett. Einfach gehen, bleiben wo man will ohne vorgebucht zu haben, einfach schön. Natürlich besteht ein kleines Risiko, einmal nichts zu bekommen und weitergehen zu müssen.


Rif. Croce - Giazza   „einsame Hochebene“

            
Wieder ein sonniger Tag, mit 34 Grad so warm wie gestern wird es heute aber nicht, zu viele Wolken ziehen am Himmel umher. Ich bin neugierig auf Tinazzo und Zamberlini, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen sollen. Erstmal Schotterstraßen und schlechte Markierung. Bei einem Mahnmal (Kreuz vom 1. Weltkrieg) führt der Weg schließlich durch Wald und Wiesen, meist gesäumt von den schon besagten Steinplatten. Viele Kühe weiden in saftigen Wiesen, die haben´s gut. Immer wieder kommen wir an Marienbildern, Wegkreuzen und kleinen Kapellen vorbei. Zamberlini, dieser große Hof ist noch Intakt, Tinazzo nicht mehr, es verfällt nach und nach. Das stellt auch die Holländerin fest, die uns entgegenkommt. Sie hat sogar ein kleines Zelt dabei und schläft mitunter auf der Weide. Ein Problem drückt sie, keine Verbindung mit zuhause trotz Handy und das schon drei Tage lang. „Die werden sich sicher Sorgen machen", meint sie. In einem schattigen Waldweg werden wir von 6 schnatternden Italienern verfolgt, mal überholen wir sie, dann wieder umgekehrt. Ihnen gebe ich später die Schuld für unser verlaufen, sie hätten bei ihrer Pause die Markierung verdeckt. Jetzt brauchen auch wir mal eine Rast und danach passiert uns wieder ein Malheur, aber dieses mal finde ich für das Verlaufen keinen Schuldigen mehr, da waren wir eindeutig selber Schuld. Das ganze Stück was wir hochgelaufen sind, wieder zurück. Später dann verliert sich die Markierung in der Wiese, quer Feld ein, quälen wir uns hoch, wo Gott sei Dank wieder eine Straße verläuft und bald ein Wegweiser die Richtung anzeigt. Lange gehen wir durch einen schattigen Wald, bis der Weg schließlich über nicht enden wollenden Serpentinen nach unten führt. Wir sind begeistert über das Grün der Bäume und der Anlegung des Weges. Ein kleiner Tunnel geht durch den Fels, in Felsnischen sind viele Kerzen und Heiligenfiguren aufgestellt. Zum Gedenken wohl an tragische Erlebnisse. Ca. 800 Höhen- meter führt der Weg hinab, dann ist Giazza zu sehen, ein malerisches Städtchen, das sich zwischen den Bergen eingebettet hat. Die zimbrische Sprache soll hier noch vorhanden sein – vermutlich mit deutschem Ursprung – wobei die Herkunft vielen Gelehrten noch immer ein Rätsel ist. Wieder bin ich geschockt über die vielen Leute hier, Tourismus eben. Das

Albergo liegt weiter oben erfahren wir, da wollen wir doch gleich in einem Laden für Morgen unsere Brotzeit einkaufen. Das Essen heute vom feinsten; Lachsforelle mit Pommes, Weißkraut und Bohnen. Mmm wieder lecker.

 
 
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